Die Geschichte des Kinderheim Graf.

Im Jahre 1919 gründete die Ellwanger Bürgerin Emma Graf als Erzieherin in dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Ellwanger Fürstpröbste einen privaten Kindergarten.

1925 wandelte Frau Graf den Kindergarten in ein Heim für Säuglinge und Kleinkinder um.

Während der Zeit des 3.Reiches gelang es Frau Graf immer wieder, sich gegen Gleichschaltungsbemühungen durch die NS-Regierung zu widersetzen. In den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg wurden überwiegend Kinder und Säuglinge aufgenommen, die als sogenannte "Besatzungs- und Soldatenkinder" oft abgeschoben wurden. Danach fanden auch viele Säuglinge von Müttern aus der Vollzugsanstalt Schwäbisch Gmünd Aufnahme.

1958, nach dem Tod der Gründerin Emma Graf, übernahm ihre langjährige Stellvertreterin, Frau Trude Murtfeldt (Kinderkrankenschwester und Kindergärtnerin) die Leitung des Hauses. Das Heim führte sie weiter als Säuglings- und Kleinkinderheim mit einer Belegstärke von bis zu 56 Kleinkindern. Seit 1970 wurden auch ältere Kinder (bis zu 7 Jahren) aufgenommen. In dieser Zeit schloss sich Frau Murtfeldt mit ihrem Heim dem "Verband Privater Kinderheime e.V." an.

1972 übernahm Wilhelm Schäfer, grad. Sozialpädagoge, die Leitung des Hauses. In enger Zusammenarbeit mit dem Landeswohlfahrtsverband Württemberg - Hohenzollern nahm er eine grundlegende Konzeptionsänderung vor:

  • Reduzierung der Belegstärke von ehemals 46 Kindern auf inzwischen 28 Kinder,
  • Ausweitung des pädagogischen Betriebes von einem Stockwerk auf alle 3 Etagen des Hauses,
  • Einteilung in 3 geschlechts- und altersgemischte Gruppen,
  • Änderung des Aufnahme- und Betreuungsalters,
  • Anstellung von fachausgebildetem Personal.

1975 wurde mit regelmäßiger Fachsupervision des pädagogischen Personals begonnen, die einmal monatlich von einem Fachhochschul-Dozenten mit entsprechender Zusatzausbildung durchgeführt wurde. Zwischen 1976 und 1978 versuchten wir mit der Einrichtung einer "Heimkonferenz", an der Erzieher und Kinder beteiligt waren, Prinzipien demokratischer Führung zu verwirklichen. Die Erfahrungen aus diesem Stadium führten 1978 zur Gründung der sogenannten "Regierungsrunde", welche oberstes Entscheidungsgremium des Heimes ist.

1981 bauten wir eine Außenwohngruppe (AWG) in einem Wohn- und Geschäftshaus in der Schlossvorstadt auf. In dieser AWG sollen 6 männliche Jugendliche ab 14 Jahren, welche nicht zuhause leben können, die Möglichkeit haben, im Rahmen der Jugendhilfe sich zu einer selbständigen Lebensführung weiter zu entwickeln.

1982 riefen 4 Mitarbeiter die "Gesellschaft für Familientherapie, Fortbildung und sozialintegrative Maßnahmen“ (GFFS) ins Leben. Diese eigenständige BGB-Gesellschaft führt im Auftrag des Kinderheimes spezielle Behandlung und Therapie von Kindern und Eltern durch und sorgt für die Umsetzung der therapeutischen Ziele in den Erziehungsteams. Im gleichen Jahr beendete Herr Schäfer seine Ausbildung zum Familientherapeuten. Es entstand ein "Therapieteam", welches die entwicklungsorientierte Familientherapie im Heim einführte.

Im November 1984 zog eine der 3 Gruppen der Stammeinrichtung in die neu eingerichtete Außengruppe, Weidenstraße 13, um. Am 2. März 1986 brannte unser Kinderheim aufgrund eines Schadens in der elektrischen Leitung als Spätfolge eines Blitzschlages ab. Die dort untergebrachten beiden Gruppen mussten als Zwischenlösung während des Aufbaues ausquartiert werden. Am 29.12.1986 war der Wiederaufbau beendet und die Gruppen konnten in das neu erstellte Haus einziehen.

1988 richteten wir in verschiedenen Wohnungen im Stadtgebiet Plätze für das Betreute Jugendwohnen ein. In dieser Abteilung können Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren in der Ablösungsphase zur eigenen persönlichen Selbständigkeit unter Anleitung erfahrener MitarbeiterInnen finden. 1992 nahm die erste Tagesgruppe in der Nachbarstadt Bopfingen ihren Betrieb mit 8 Plätzen auf, 1993 folgte die Gründung der zweiten Tagesgruppe in Heubach mit 10 Plätzen.

Im Herbst 1995 reagierten wir auf die zunehmenden Probleme bei der Betreuung von extrem schwierigen Kindern und Jugendlichen in den herkömmlichen Heimgruppen durch die Gründung einer ersten Intensivgruppe mit drei Kindern. Nur in diesem therapeutischen Kleingruppenmilieu scheint es uns möglich zu sein, einigermaßen sinnvoll mit diesen pathogenen Erscheinungsformen zurechtzukommen. Ein Jahr später erweiterten wir die Platzzahl im inzwischen umgebauten Haus Albatros auf 6 Kinder und Jugendliche.

1998 wurde die seitherige Außengruppe in der Weidenstraße zu einer zweiten Intensivgruppe umgewidmet durch Reduzierung der Belegungsstärke, Aufstockung des Betreuungspersonals und Einführung von therapeutisch orientierter Intensivbetreuung. Im Juli 1999 begann die Einrichtung Sozialpädagogische Familienhilfe in Kombination mit Familientherapie anzubieten.

Im Herbst 2001 wurden 6 Plätze des Betreuten Jugendwohnens umgewandelt in 2 Jugendwohngemeinschaften mit jeweils 3 Plätzen, weil wir erkennen mussten, dass für viele unserer Jugendlichen der Schritt aus der vollstationären Gruppe in das selbständige Wohnen einfach zu groß war. In der JWG bei einer Betreuung von 1:3 mit einer gewissen Einbindung in eine Gemeinschaft kann die Verselbständigung sicherer gelingen.

Im Herbst 2002 konnte das Nebengebäude des Stammhauses bezogen werden, in dem mittlerweile die Leitung sowie der Fachdienst untergebracht sind und Seminarräume für Familientherapie eingerichtet sind.

Im Februar 2003 übernahm der Sohn der Familie Schäfer, Alexander Schäfer, Diplompädagoge, Trägerschaft und Leitung der Gesamteinrichtung. Ihm zur Seite steht als pädagogischer Leiter Klaus Bader und Lisa Wolf sowie im therapeutisch/pädagogischen Fachdienst seine Schwester Christine Koch, Familientherapeutin.

Die Tagesgruppe wurde schließlich im September 2004 in eine Soziale Gruppe umgewandelt. Es zeichnete sich ab, dass der Bedarf in der Region Bopfingen Veränderungen unterlag und wir wollen damit auf die neuen Anforderungen an die Jugendhilfe reagieren.

 

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